Bad Suderodes Alte Dorfkirche

liegt im wahrscheinlich ältesten Ortsteil

 

Das Baujahr des ältesten Gebäudes von Suderode am Ostharz ist nicht überliefert. Als südliche Rodung des Quedlinburger Stiftes wurde der Ort erstmalig 1179 urkundlich erwähnt. In dieser Zeit muss die kleine Kirche schon gestanden haben, denn die Apsis und der massive Kirchturm sind untrüglich romanischer Herkunft. Die kleinen Säulen der Schallöcher haben sogar ottonischen Charakter.

Im romanischen Triumphbogen zwischen Kirchenschiff und Apsis sind sehenswerte spätromanische Fresken erhalten, die in ihrer Art von besonderer Schönheit sind.

Sie zeigen das Gleichnis der klugen und törichten Jungfrauen, eine Darstellung, die man auch in romanischen Bibelillustrationen findet.

Abb. 1                                                                                              Abb. 2

Die umfassende Restaurierung unter besonderer Beachtung denkmalspflegerischer Zielsetzungen ließen 1992 bis 1994 im Turminneren ebenfalls die spätromanischen Fresken wieder in voller Schönheit entstehen, die den Harfe spielenden König David (Abb.3) und das Bildnis eines geistlichen Würdenträgers (Abb. 4) zeigen

Abb. 3                                                                                                Abb. 4

 

Für den Bau des Kirchenschiffes in späterer Gestalt wird das Jahr 1590 genannt. Die Ortschronisten, der Rektor Otto Ehrke und zuvor der Berliner Rentner Lessing verweisen auf eine Inschrift auf der Holzwand zwischen Sakristei und Chorraum. In der vor 130 Jahren von Lessing verfassten Chronik ist zu lesen:

"Die alte Kirche ist im Jahr 1590 unter der Oberhoheit der 27. weltlichen Äbtissin in Quedlinburg Anna II. ... zur Zeit Kaiser Rudolf II. erbaut. Die Jahreszahl 1590 steht heute noch auf einer weiß übertünchten Holzwand in der Sakristei ... Es steht deutlich zu lesen auf der linken Seite: 1590 M. Andreas Rustorf Pas., rechts daneben. Georgius Sartorius Pastor, wahrscheinlich die ersten Pastoren. 

Im Neinstedter Kirchenbuch - Neinstedter Pastoren besorgten die Seelsorge über das Stiftsdorf Suderode mit - findet sich eine Notiz des Jahres 1636:

"den 10. Martig wurde das Dorf Suderode von den Schwedischen an Vater Scheidtlichs Quartier angesteckt und ist in vollem Feuer gestanden  ..."

Bei dieser Brandschatzung und Plünderung standen nicht nur Bad Suderodes Fachwerk-Lehmhäuser in Flammen, auch die Alte Kirche brannte aus. Erst nach dem 30jährigen Krieg ist der Turm 1663 von Stecklenberger Zimmerleuten die barocke Haube aufgesetzt worden. Sifterin war die Schloßfrau der Stecklenburg, Catharina cob Oettingen. Die Inschrift der Balken unter der kleinen Konsole des Hauptgesimses geben darüber Auskunft.

Das Kirchenschiff in seiner heute sichtbaren gewölbten Form ist wahrscheinlich Mitte des 18. Jahrhunderts entstanden. Eine Steintafel weist in latainischer Schrift heute noch daraufhin. In der Übersetzung lautet diese Inschrift:

"Dieser Tempel ist gebaut in der Zeit des Pastors Franz Wilhelm Bierdemann 1749".

Und obwohl bei dieser Gelegenheit das kleine Kirchenschiff noch einmal um die Hälfte erweitert wurde, wird der Gemeinde hundert Jahre später die Alte Kirche erneut "zu klein und zu baufällig".

Eine neue Kirche entstand in der Ortsmitte Bad Suderodes, dem historisierten Geschmack der Zeit folgend. in "stilreiner Gotik". Am 20. Oktober 1878 wurde sie geweiht.

Neue Kirche von Bad Suderode
Neue Kirche von Bad Suderode