Die Hengstmanns

Das eine Paar war rot. Das andere Paar trug die Farbe blau. Sie waren im Durchschnitt 15 Zentimeter lang und gaben den kleinen Brüdern Sebastian und Tobias Hengstmann Sicherheit für ihre ersten Schritte ins Leben. Diese Schritte in ihren Lauflernschuhen machten die kleinen Burschen im Breiten Weg 37 bei der Anprobe im Magdeburger Schuhhaus „Hans Sachs“.

Dass sie 29 beziehungsweise 26 Jahre später an derselben Stelle im Magdeburger Nordabschnitt einmal ihre ersten Schritte auf der Bühne ihres eigenen Kabaretts gehen würden, ahnten 1979 noch 1982 weder die Jungs noch ihre Eltern. Denn dort, wo sie im Alter von knapp einem Jahr mit Mama ihre ersten Gehversuche unternahmen, schließt sich jetzt der Kreis. Hier befindet sich heute das neue politisch-satirische Kabarett Magdeburgs „... nach Hengstmanns“, das die „HengstmannBrüder “ gründeten. Gemeinsam stehen sie hier mit ihrem Vater, dem Kabarettisten Frank Hengstmann, auf dem Brett’l, das ihnen die Welt bedeutet. Mit dem Namen dieser Spielstätte wollen sie auch Großvater Erich Hengstmann ihre Reminiszenz erweisen, der das Kinderkabarett in der DDR begründete und den Kabarettvirus in die Familie pflanzte.

In ihrer Spielstätte „... nach Hengstmanns“ stehen sie hauptsächlich zu dritt mit ihrem Vater Frank Hengstmann auf der Bühne. Die Programme sind geprägt vom familiären Miteinander aber auch Gegeneinander, das natürlich nie ausbleibt. So sind Konflikte vorprogrammiert, die aufgrund unterschiedlicher Sozialisation, Bildungs - und Lebenswege nicht ausbleiben. Und das Ganze immer gepaart mit éinem scharfen Blick auf die aktuelle politische Situation, ein bisschen in Magdeburg, ein bisschen in Sachsen-Anhalt, aber auch ganz viel Deutschland und die Welt. und das auch immer mit Musik, natürlich selbst gespielt, an Gitarre, Kontrabass, Klavier und Schlagzeug.

ReTour de Frank

 

von und mit Frank Hengstmann

 

Mit dem Fahrradfahren hatte der Protagonist des neuen Soloprogramms eigentlich nur in seiner schon lang her seienden Jugendzeit etwas am gestrampelten Hacken. Er kaufte sich von der Verwandtschaft zusammen geschenktem Jugendweihegeld ein 28-ger „Diamant“- Fahrrad mit Dreigangschaltung. Stahlblau und mit Felgenbremsen vorn und hinten. Damals eine Innovation. Also für ihn. Felgenbremsen! Vom gewohnten Rücktritt auf Felgenbremsen umzusteigen war für ihn eine mentale Herausforderung. Er war es wie erwähnt beim Bremsen gewohnt den Rücktritt zu betätigen und trat deshalb oft ins Leere und fuhr so manchmal gegen einen Baum oder anständige und dann laut schimpfende Erwachsene um. Und das alles ohne Helm. Er ist heute noch der Meinung, dass die Fußgänger lieber Helme tragen sollten und nicht die militanten Fahrradfahrer. Und eines noch. Zur Krönung der Fahrradfahrerkarriere des Protagonisten des neuen Soloprogramms wurde ihm dieses 28-ger „Diamant“- Fahrrad mit Felgenbremsen und ohne Rücktritt nach etwa sechs Wochen Besitzes vor einem „Konsum“ in der Steinig- Straße in Stadtfeld quasi unter dem Hintern weg gestohlen. So löste er wohl unbewusst eine Steigerung der Statistik aus. Magdeburg ist heute die Hauptstadt der geklauten Fahrräder. Heute fährt der Protagonist nur noch selten Fahrrad. Und wenn doch, dann nur mit Rücktritt. Der Protagonist des neuen Soloprogramms empfiehlt es jedem noch tätigen Politiker sich ein Fahrrad mit Rücktritt zu kaufen. Sie könnten dann schon mal üben.